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„Ich esse, bis es weh tut.“ Diesen Satz schreiben mir Frauen immer wieder. Meistens kommt kurz danach noch eine Frage hinterher: Ist das noch normal oder habe ich schon eine Essstörung?
Vielleicht stehst du gerade selbst an diesem Punkt. Du hast mittags in der Kantine ganz normal gegessen und am Nachmittag trotzdem die halbe Keksdose im Büro geleert. Oder du stehst nachts vor dem Kühlschrank und kannst nicht aufhören, obwohl dir schon übel ist.
Dann willst du vor allem eins wissen: Ist das noch emotionales Essen oder schon Binge Eating? Ich bin klinische Psychologin und erkläre es dir so ehrlich, wie ich es einer Freundin sagen würde. Dazu gehört ein Satz, der mir sehr wichtig ist: Eine Binge-Eating-Störung ist eine Essstörung und gehört in ärztliche oder therapeutische Hände.
Das Wichtigste in Kürze
- Emotionales Essen heißt, dass du isst, obwohl dein Körper gerade keinen Hunger hat, zum Beispiel aus Stress oder Müdigkeit.
- Bei einer Binge-Eating-Störung kommen Essanfälle mit starkem Kontrollverlust regelmäßig über Monate vor und belasten dich sehr.
- Die Grenze zwischen beidem ist fließend, deshalb kann nur eine Ärztin oder Psychotherapeutin im Gespräch klären, ob eine Essstörung vorliegt.
- Wenn du dich in der Beschreibung der Essstörung wiederfindest, hol dir bitte therapeutische Hilfe.
- Beim emotionalen Essen hilft es, zu verstehen, welche Aufgabe das Essen gerade für dich übernimmt.
Inhalt
- Was ist emotionales Essen? Wenn Essen eine Aufgabe übernimmt
- Was ist Binge Eating? Wenn Essanfälle immer wiederkommen
- Der Unterschied: Wie oft es passiert und wie sehr es dich belastet
- Wann du dir therapeutische Hilfe holen solltest
- Früher habe ich nach jedem großen Essen neu angefangen, heute frage ich, was los war
- Was du nach dem nächsten großen Essen anders machen kannst
- Häufige Fragen
- Zum Schluss
Was ist emotionales Essen? Wenn Essen eine Aufgabe übernimmt
Emotionales Essen heißt, dass du isst, obwohl dein Körper gerade keinen Hunger hat. Das Essen übernimmt dann eine andere Aufgabe: Es tröstet, es beruhigt oder es ist die einzige Pause an einem vollen Tag.
Das passiert nicht nur abends auf der Couch. Es ist das Stück Geburtstagskuchen im Büro, obwohl du eben erst gegessen hast. Es ist der Teller, den du leer isst, obwohl du längst satt bist. Oder die Hand in der Chipstüte, während du nebenbei noch Mails beantwortest.
Die meisten Frauen in meinem Coaching kennen das sehr gut. Viele sagen dazu: „Ich verstehe es selbst nicht.“ Emotionales Essen ist keine Diagnose, es kann sich aber trotzdem anfühlen wie ein Krieg im Kopf.
Was ist Binge Eating? Wenn Essanfälle immer wiederkommen
Binge Eating ist der englische Begriff für Essanfälle. Bei einer Binge-Eating-Störung kommen diese Anfälle regelmäßig über Monate hinweg vor. Dabei hast du das starke Gefühl, nicht mehr aufhören zu können.
Frauen mit einer Binge-Eating-Störung beschreiben zum Beispiel, dass sie in kurzer Zeit sehr viel essen, viel schneller als sonst. Oft geht das weiter, bis der Bauch unangenehm voll ist, auch ganz ohne Hunger. Viele essen dabei allein, weil sie sich so sehr schämen.
Danach kommen Scham, Ekel vor sich selbst oder tiefe Traurigkeit. Anders als bei der Bulimie wird das Essen dabei nicht regelmäßig durch Erbrechen wieder rausgeholt.
Bitte nimm das nicht als Liste zum Abhaken. Ob eine Essstörung vorliegt, kann nur eine Ärztin oder eine Psychotherapeutin im Gespräch mit dir klären.
Der Unterschied: Wie oft es passiert und wie sehr es dich belastet
Der Unterschied liegt weniger im Essen selbst als darin, wie oft es passiert und wie sehr es dich belastet. Diese drei Fragen helfen dir beim Einordnen:
- Wie oft passiert es? Emotionales Essen kommt eher in Phasen, an stressigen Tagen oder nach einer anstrengenden Woche. Bei einer Binge-Eating-Störung kommen die Anfälle über viele Monate regelmäßig wieder.
- Wie stark ist der Kontrollverlust? Beim emotionalen Essen isst du mehr, als du wolltest, kannst aber oft noch aufhören. Bei Essanfällen fühlt es sich an, als würdest du danebenstehen und dir selbst beim Essen zuschauen.
- Wie sehr leidest du darunter? Emotionales Essen nervt und macht ein schlechtes Gewissen. Bei einer Essstörung kreisen die Gedanken fast nur noch ums Essen und die Scham bestimmt deinen Alltag.
Was ich dir als klinische Psychologin dazu sagen möchte: Die Grenze ist fließend. Stell dir eine lange Linie vor. Ganz links stehen Menschen, für die Essen einfach eine schöne Nebensache ist. Ganz rechts stehen Menschen, deren Leben sich nur noch ums Essen dreht.
Irgendwo auf dieser Linie zieht die Medizin einen Strich, ab dem sie von einer Essstörung spricht. Diesen Strich braucht es, damit eine Diagnose möglich ist und die Krankenkasse eine Therapie bezahlt. Manchen Frauen hilft so ein Name, andere setzt er unter Druck.
Wichtig ist am Ende vor allem die Richtung. Ganz egal, wo du gerade startest: Diäten schieben dich auf dieser Linie weiter nach rechts. Der Weg, der dir guttut, führt nach links.

Wann du dir therapeutische Hilfe holen solltest
Wenn du dich in der Beschreibung der Binge-Eating-Störung wiedererkennst, hol dir bitte therapeutische Hilfe. Das ist kein Versagen, sondern genau das, was du gerade verdienst.
Eine gute erste Anlaufstelle ist deine Hausärztin. Sie bespricht mit dir, was du brauchst. Bei der Suche nach einer Psychotherapie kann sie dir auch weiterhelfen. Ich weiß, dass es oft schwierig ist, einen Therapieplatz zu finden. Lass dich davon bitte nicht abhalten.
Das sage ich auch in meinen Live-Workshops, wenn eine Teilnehmerin danach fragt. Bei einer Essstörung empfehle ich immer zuerst eine Therapie, weil ein Coaching sie nicht ersetzen kann.
Hol dir auch dann Hilfe, wenn du dir unsicher bist, aber merkst, dass das Essen dich gerade überrollt. Lieber einmal zu früh nachfragen als ein Jahr zu spät.
Früher habe ich nach jedem großen Essen neu angefangen, heute frage ich, was los war
Früher habe ich nach jedem großen Essen sofort einen neuen, noch strengeren Plan gemacht. Heute weiß ich, dass genau diese Strenge die nächste Runde angestoßen hat.
Ich kenne emotionales Essen nicht nur aus der Theorie. Ich habe jahrelang gegessen, wenn ich gestresst war oder mich gelangweilt habe. Hatte ich eh schon zu viel gegessen, kam dieser Gedanke: Jetzt kommt es auf Schokolade und Eis auch nicht mehr an.
Danach war mir schlecht und ich war frustriert. Also habe ich mir das nächste Ziel gesetzt und mir noch mehr verboten. Am nächsten Tag saß ich trotzdem wieder in genau derselben Situation.
In einem Live-Call habe ich es mal so beschrieben: Ein Essanfall dauert vielleicht eine Stunde oder einen Abend. Die Scham danach dauert oft eine ganze Woche. Genau sie ist der stärkste Auslöser für den nächsten Anfall.
Deshalb ist für mich heute die wichtigste Frage nach so einem Moment nicht, wie schlimm es war. Ich frage mich, was da eigentlich los war und was ich gebraucht hätte.
Eine Teilnehmerin hat am Ende geschrieben: „Dass Essen aus unterschiedlichsten Gründen passiert, nicht nur aus Hunger. Und dass man lernen kann, in sich hineinzufühlen.“ Das war ihre größte Erkenntnis. Veränderung passiert meistens genau so, in kleinen Schritten und mit Tagen dazwischen, an denen es nicht klappt.
Wenn du dich eher beim emotionalen Essen wiederfindest, hilft es, genauer hinzuschauen, wie du mit Essen umgehst. Dafür gibt es meinen kostenlosen Essenstypen-Test. In zwei Minuten weißt du, welcher Essenstyp du bist und was bei dir dahintersteckt. Eine Diagnose ersetzt der Test nicht.
Was du nach dem nächsten großen Essen anders machen kannst
Direkt danach musst du gar nichts analysieren, dafür sind die Gefühle viel zu groß. Es reicht ein einziger Satz zu dir selbst: „Das war ein Essanfall und er gehört gerade noch dazu.“
Die nächste Mahlzeit ist eine ganz normale Mahlzeit, ohne ausgelassenes Frühstück und ohne „ab Montag“. Wer ausgleicht, ist schon wieder im Mangel.
Am nächsten Tag kannst du mit etwas Abstand hinschauen. Was war in den Stunden davor los? Warst du müde, hattest du Streit oder war der ganze Tag nur Funktionieren? Meistens liegt der Auslöser schon Stunden vor dem Moment, in dem du anfängst zu essen.
Schau zum Schluss ehrlich auf die letzten Wochen. Passiert es selten und an Tagen, an denen viel los war? Dann klingt das eher nach emotionalem Essen. Kommt es immer wieder und du fühlst dich dem völlig ausgeliefert, dann sprich bitte mit deiner Ärztin oder einer Psychotherapeutin.
Wie du emotionales Essen Schritt für Schritt loswirst, erkläre ich dir auch in diesem Video: So wirst du emotionales Essen endlich los
Häufige Fragen
Woran erkenne ich, ob ich Binge Eating habe?
Typisch für eine Binge-Eating-Störung sind Essanfälle, die über Monate regelmäßig wiederkommen. Dabei isst du in kurzer Zeit sehr viel, fühlst dich machtlos und schämst dich danach sehr. Ob es wirklich eine Essstörung ist, kann nur eine Ärztin oder Psychotherapeutin im Gespräch klären.
Gibt es einen Test für Binge Eating?
Ein Online-Test kann dir Hinweise geben, aber keine Diagnose stellen. Die bekommst du nur im persönlichen Gespräch bei einer Ärztin oder Psychotherapeutin. Mein Essenstypen-Test ist kein Test auf Essstörungen. Er zeigt dir, wie du mit Essen umgehst und was dein nächster Schritt sein kann.
Wann sollte ich mit Binge Eating zur Therapie?
Am besten dann, wenn du dich in der Beschreibung wiederfindest oder das Essen dich stark belastet. Du musst nicht warten, bis es „schlimm genug“ ist. Eine erste Anlaufstelle kann deine Hausärztin sein.
Ist emotionales Essen schon eine Essstörung?
Nein, emotionales Essen allein ist keine Essstörung. Fast jeder Mensch isst mal aus Frust oder weil er müde ist. Es kann dich trotzdem sehr beschäftigen. Dann lohnt es sich, hinzuschauen, welche Aufgabe das Essen für dich übernommen hat.
Hilft ein Coaching bei Binge Eating?
Bei einer Binge-Eating-Störung ersetzt ein Coaching keine Therapie. Deshalb empfehle ich in diesem Fall immer zuerst eine Psychotherapie. Beim emotionalen Essen ohne Essstörung kann ein Coaching sehr gut helfen, weil es an den Gründen hinter dem Essen ansetzt.
Zum Schluss
Egal, wo du dich gerade auf dieser Linie siehst: Mit dir ist nichts falsch. Dein Essen hat bisher eine Aufgabe übernommen, die ihm nie gehört hat. Manchmal braucht es dafür ein Coaching, manchmal eine Therapie. Beides heißt, dass du gut für dich sorgst.
Wo siehst du dich gerade auf dieser Linie? Und in welche Richtung möchtest du als Nächstes gehen? ☺️
Finde heraus, welcher Essenstyp du bist
Wenn du dich eher beim emotionalen Essen wiederfindest, ist mein kostenloser Essenstypen-Test ein guter erster Schritt. Du beantwortest zehn kurze Fragen und weißt in zwei Minuten, welcher Essenstyp du bist. Anschließend bekommst du deine Auswertung als PDF. So weißt du, wo du bei dir ansetzen kannst und wo du anfangen kannst.
