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Kennst du diese tolle Spiegelübung? Du stellst dich vor den Spiegel und sagst dir Sätze wie „Ich liebe mich.“, „Ich bin so schön.“, „Mein Körper ist toll.“ oder „Ich bin schlank.“
Wie fühlst du dich, wenn du solche Sätze zu dir sagst?
Ich habe das eine Zeit lang probiert, weil ich geglaubt habe, das würde mir helfen, mich anzunehmen. Ich bin mir vorgekommen, als würde ich mich verarschen. Ich bin mir vorgekommen wie der größte Depp.
Ich hatte so oft gehört: „Du musst es dir nur oft genug sagen, dann glaubst du es irgendwann.“ Also habe ich weitergemacht. Ich habe mir in die Augen geschaut und die Sätze aufgesagt, während in meinem Kopf die ganze Zeit eine andere Stimme mitlief: „Das stimmt doch gar nicht.“ Besser wurde es dadurch nicht, es wurde sogar immer schlimmer.
Vielleicht kennst du das auch. Du willst abnehmen, ganz ehrlich und ohne Wenn und Aber. Gleichzeitig liest du überall, dass du dich erst mal annehmen und lieben sollst, so wie du bist. Dann stehst du morgens vor dem Spiegel, die Jeans kneift am Bauch und du denkst: „Wie soll das denn bitte gehen?“
Heute weiß ich, dass ich damals an der falschen Stelle angefangen habe. Ich wollte mein Aussehen lieben, bevor ich überhaupt gesehen habe, was mein Körper jeden Tag für mich tut. Davon erzähle ich dir hier und auch davon, warum du ihn trotzdem verändern darfst.
Das Wichtigste in Kürze
- Sätze wie „Ich bin so schön“ helfen nur, wenn du sie auch fühlen kannst. Sonst wird der Widerspruch in dir lauter.
- Du kannst deinen Körper für das schätzen, was er jeden Tag für dich tut. Verändern darfst du ihn trotzdem.
- Wie es dir innen geht, zeigt sich auch an deinem Körper. Frust über ihn führt oft zu Essen ohne Hunger.
- Wer ständig gegen den eigenen Körper kämpft, spürt schlechter, wann er Hunger hat und wann er satt ist.
- Du musst deinen Körper nicht für sein Aussehen lieben. Ein Blick in den Spiegel ohne Beschimpfung ist schon ein großer Schritt.
Inhalt
- Warum „Du siehst toll aus“ vor dem Spiegel nicht hilft
- Deinen Körper für das schätzen, was er für dich tut
- Warum Frust über deinen Körper zu Frustessen führt
- Warum du Hunger und Sättigung schlechter spürst, wenn du gegen deinen Körper kämpfst
- „Wenn ich erst abgenommen habe, dann …“
- Du musst deinen Körper nicht für sein Aussehen lieben
- Was dir hilft, dich schon jetzt wohler zu fühlen
- Häufige Fragen
- Mein Fazit
Warum „Du siehst toll aus“ vor dem Spiegel nicht hilft
Ein Satz, den du dir selbst sagst, hilft nur, wenn du ihn auch fühlen kannst. Kannst du das nicht, hält dein Kopf sofort dagegen.
Bei vielen Frauen klingt das ungefähr so: Sie sagen „Ich bin so schön“ und innerlich kommt direkt: „Ach ja? Und was ist mit deinem Bauch?“ Was du dabei fühlst, ist keine Liebe. Es ist eher dieses: „Ich mache mir hier gerade selbst was vor.“
Deshalb kann es mit der Zeit schlimmer werden statt besser. Du sagst den Satz jeden Tag und jeden Tag hörst du auch die Gegenstimme. Geübt wird dabei nicht der schöne Satz, sondern der Widerspruch. Manche Frauen bekommen dadurch eine richtige Abneigung gegen den Spiegel. Bei mir war es genauso, deshalb nutze ich solche Sätze heute nicht mehr.
Gibt es einen Satz über dich, den du ehrlich unterschreiben kannst? Der darf dich gern stärken. „Ich fühle mich jeden Tag ein bisschen wohl in meinem Körper“ ist zum Beispiel so einer. Den kannst du eher glauben als „Ich bin schlank“. Es bringt nur nichts, dir etwas einzureden, das sich wie eine Lüge anfühlt.
Deinen Körper für das schätzen, was er für dich tut
Dein Körper ist so viel mehr als dein Bauch, deine Oberschenkel oder die Zahl auf der Waage. Wenn du dort anfängst, findest du etwas, das du ehrlich fühlen kannst.
Was hat er heute schon alles gemacht, ohne dass du ihn darum bitten musstest? Dein Herz schlägt viele tausend Mal am Tag und deine Lunge atmet, auch wenn du gar nicht daran denkst. Wenn du dich schneidest, heilt die Wunde von allein wieder zu. Mit deinen Beinen gehst du spazieren und mit deinen Armen hältst du die Menschen fest, die du lieb hast.
Für uns ist das so selbstverständlich, dass wir es gar nicht mehr sehen. Wenn du ihn so anschaust, musst du dir Wertschätzung nicht mehr einreden. Du kannst sie spüren, weil sie einfach stimmt.
Jetzt sagst du vielleicht: „Schön und gut, aber ich will trotzdem abnehmen.“ Das darfst du auch. Ihn anzunehmen heißt nicht, dass alles so bleiben muss. Bei mir ist es so: Ich liebe meinen Körper für das, was er macht. Gleichzeitig wünsche ich mir trotzdem, ein bisschen fitter und ein bisschen schlanker zu sein. Mit meinem Selbstwert hat das nichts zu tun. Natürlich kannst du schlanker sein, du bist deswegen aber nicht wertvoller.
Ich arbeite als klinische Psychologin mit Frauen, die abnehmen wollen. Das Ziel ist dabei ganz klar: Sie sollen dauerhaft abnehmen und sich in ihrem Körper wohlfühlen. „Ist doch egal, wie du aussiehst“ würde ich nie zu ihnen sagen.
Wie es dir innen geht, sieht man nämlich auch außen. Wenn du gestresst bist, dich ständig zurücknimmst oder dich für deinen Körper schämst, isst du oft aus diesen Gefühlen heraus. Umgekehrt funktioniert es genauso. Wenn du freundlicher mit dir umgehst, brauchst du das Essen seltener als Trost und merkst früher, wann du satt bist. Abnehmen ist dann keine Strafe mehr für den Körper, den du gerade hast. Es ist eine Folge davon, dass es dir besser geht.
Warum Frust über deinen Körper zu Frustessen führt
Wenn alles an der Zahl hängt, wird jedes Stück zu viel zum Beweis, dass es wieder nicht klappt. Aus diesem Gedanken wird Frust und aus dem Frust wird Essen.
Vor einem Live-Call hat mir eine Frau aus dem Coaching das ganz ehrlich beschrieben. Die Hose sitzt enger und die anderen Frauen sehen alle schlanker aus. Dann kommt der Gedanke „Ich schaffe es eh nie“ und sie isst, obwohl sie genau weiß, dass es ihr danach schlechter geht. Kennst du diesen Moment auch, vielleicht in der Umkleidekabine oder beim Blick auf ein Foto von dir?
Mit Charakterschwäche hat das nichts zu tun. Essen legt sich kurz über ein Gefühl, das gerade kaum auszuhalten ist, so dass es für ein paar Minuten leiser wird. Weg ist es dadurch aber nicht. Nach dem letzten Bissen ist es doppelt so groß, weil jetzt auch noch das schlechte Gewissen dazukommt.
Schreib die Spirale einmal aus, dann siehst du, wie sie sich selbst antreibt. Du fühlst dich unwohl, also bist du frustriert. Weil du frustriert bist, isst du ohne Hunger. Weil du gegessen hast, fühlst du dich noch unwohler und denkst dir irgendwann: „Jetzt ist es auch schon egal.“ Dann kommt noch das zweite Stück dazu und am nächsten Tag fängt alles wieder von vorne an.

Warum du Hunger und Sättigung schlechter spürst, wenn du gegen deinen Körper kämpfst
Wer ständig im Kopf ist, bekommt die leisen Signale aus dem Bauch kaum noch mit. Im Kopf bist du aber die ganze Zeit, wenn du deinen Körper den ganzen Tag bewertest.
Hunger und Sättigung sind keine lauten Signale. Hunger fängt mit einem leichten, leeren Gefühl im Magen an, lange bevor er knurrt. Satt sein ist dieser Moment, in dem das Essen noch schmeckt, aber du merkst, dass es jetzt eigentlich reicht.
Daneben ist dein Kopf ziemlich laut, wenn du mit deinem Körper haderst. Er zählt Kalorien mit, vergleicht dich mit der Frau am Nebentisch und fragt, ob du das jetzt überhaupt essen darfst. Bei diesem Lärm gehen die leisen Signale unter.
Eine Kundin hat mir für einen Live-Call geschrieben, dass sie sich bewusst nicht mehr wiegt. Dafür prüft sie ständig im Spiegel, ob sich an ihrem Körper etwas tut. Die Kontrolle war nur von der Waage zum Spiegel umgezogen und die Anspannung gleich mit. Wer so angespannt ist, spürt seinen Körper schlechter.
Woran merkst du das bei dir? Vielleicht bemerkst du erst, dass du satt bist, wenn der Teller leer ist und der Hosenbund drückt. Du isst mittags, weil es zwölf ist und nicht, weil dein Bauch sich meldet. Bei mir war „satt“ früher gleichbedeutend mit „voll“. Satt war ich erst, wenn der Magen drückte und mir fast schlecht war.
Für dich heißt das: Der Körper, den du verändern willst, könnte dir sagen, wie viel er braucht. Du kannst ihn nur nicht hören, solange du gegen ihn kämpfst. Abnehmen ohne Regeln funktioniert aber nur, wenn du diese Signale wieder spürst. Ein freundlicherer Blick auf dich ist deshalb kein Wellness-Extra. Er ist die Voraussetzung dafür, dass dein Körper wieder mitreden darf.
„Wenn ich erst abgenommen habe, dann …“
Viele Frauen schieben das Wohlfühlen auf, bis die Zahl stimmt. Nur kommt das Wohlgefühl nicht automatisch mit der Zahl.
Kennst du diese Sätze? „Wenn ich erst schlanker bin, kaufe ich mir die schöne Jeans.“ „Dann gehe ich wieder mit meinen Freundinnen aus.“ „Dann bin ich endlich zufrieden.“ So ein Ziel liegt oft schon so lange vor dir, dass das eigentliche Leben in die Warteschleife gerutscht ist.
Ich war irgendwann tatsächlich mal richtig schlank und trotzdem todunglücklich. Jedes Stück zu viel hat mir Angst gemacht, weil ich dachte, dass ich sofort wieder zunehme. Mehr dazu habe ich im Artikel über den Jojo-Effekt erzählt. Das Wohlgefühl kam jedenfalls nicht mit der Zahl. Ich hatte außen etwas verändert, innen war alles beim Alten.
Dazu kommt noch etwas: Alles, was du dir bis zum Wunschgewicht aufhebst, fehlt dir jetzt. Vielleicht ist es der Abend mit deinen Freundinnen oder das Kleid, in dem du dich schön fühlst. Vielleicht auch der Tanzkurs, den du schon so lange machen willst. Was bleibt dann noch, das schnell etwas Schönes in deinen Tag bringt? Meistens nur das Essen.
Du musst deinen Körper nicht für sein Aussehen lieben
Wohlfühlen fängt viel kleiner an als bei Liebe zu deinem Spiegelbild. Den Frauen in meinem Coaching sage ich: „Du musst deinen Körper nicht von oben bis unten lieben.“ Es geht darum, liebevoll mit dir als Mensch zu sein.
„Ach, wie hässlich sind meine Oberschenkel.“ Klingt es bei dir morgens vor dem Spiegel auch so ähnlich? Kein Mensch erwartet, dass du deine Oberschenkel ab morgen großartig findest. Es würde schon reichen, wenn du sie anschauen kannst, ohne dich dafür fertigzumachen.
Vielleicht hilft dir noch ein Gedanke. Bei deinem Partner, deinen Kindern oder deiner besten Freundin gibt es bestimmt auch Dinge, die dich stören. Trotzdem liebst du diese Menschen und bist froh, dass du sie hast. Mit deinem Körper darf es genauso sein. Du darfst dir wünschen, dass dein Bauch flacher wird, ohne ihn deswegen wie einen Feind zu behandeln.
Was dir hilft, dich schon jetzt wohler zu fühlen
Dafür brauchst du keinen Plan und keine Sätze, die du nicht glaubst. Zwei kleine Dinge reichen für den Anfang, eins für den Moment nach dem Essen und eins für den Blick auf dich.
Frag dich, was dein Wohlfühl-Ich jetzt tun würde
Dein Wohlfühl-Ich ist die Frau, die du sein möchtest, wenn das Thema Essen keine große Rolle mehr spielt. Wenn du mal mehr gegessen hast als geplant, frag dich: Was würde sie jetzt tun? Würde sie frustriert noch eine Tüte aufmachen, weil es jetzt eh egal ist?
Wahrscheinlich würde sie eher denken: „War lecker, dann habe ich jetzt eben länger keinen Hunger.“ Danach würde sie neugierig schauen, woran es lag. Vielleicht bist du nach Hause gekommen und hattest dir noch keine Gedanken gemacht, was es gibt. Dann wurde es etwas Schnelles nebenbei am Handy und am Ende viel zu viel. Beim nächsten Mal isst du vielleicht schon ein paar Bissen, bevor du anfängst zu kochen.
Benenne, statt zu bewerten
Diese Übung habe ich in einem Live-Call mitgegeben. Schau aus dem Fenster und benenne, was du siehst, ohne es zu bewerten. Also etwa so: Die Frau hat rote Schuhe an, da steht ein großer Baum, der Mann ist blond.
Merkst du, wie dein Kopf ständig ein „schön“ oder „hässlich“ dranhängen will? Je öfter du das Bewerten draußen weglässt, desto leiser wird auch die Stimme, die dich selbst bewertet. Irgendwann kannst du es beim Anziehen ausprobieren: Das sind einfach deine Oberschenkel und dein Bauch, ohne Urteil dahinter.
Häufige Fragen
Wie kann ich mich in meinem Körper wohlfühlen, obwohl ich abnehmen will?
Fang nicht beim Aussehen an. Fang bei dem an, was dein Körper jeden Tag für dich tut. Das kannst du ehrlich wertschätzen, auch wenn dir dein Spiegelbild gerade nicht gefällt. Dein Ziel darfst du trotzdem behalten.
Kann ich meinen Körper akzeptieren und trotzdem abnehmen wollen?
Ja, das passt sehr gut zusammen. Akzeptieren heißt nicht, dass alles so bleiben muss. Es heißt, dass du deinen Körper nicht mehr wie einen Gegner behandelst, während du etwas veränderst.
Warum esse ich mehr, wenn ich mich unwohl in meinem Körper fühle?
Weil das Unwohlsein Frust macht und Essen diesen Frust kurz dämpft. Danach fühlst du dich meistens noch schlechter, was den nächsten Griff zum Essen wahrscheinlicher macht. Mehr Disziplin unterbricht diesen Kreislauf nicht, ein freundlicherer Blick auf dich dagegen schon.
Was hat Selbstliebe mit Abnehmen zu tun?
Eine ganze Menge. Wer sich jeden Tag selbst fertigmacht, isst oft aus diesem Gefühl heraus. Geht es dir innerlich besser, brauchst du das Essen seltener als Trost und dein Körper darf das mit der Zeit auch zeigen.
Mein Fazit
Wenn ich heute an die Frau vor dem Spiegel denke, würde ich ihr sagen: Lass die Sätze weg, die du nicht glaubst. Fang lieber mit einem ehrlichen Danke an einen Körper an, der dich jeden Tag durchs Leben trägt, obwohl du ständig an ihm herummeckerst. Daraus darf dann alles andere wachsen, auch der Wunsch, dass er sich verändert.
Du darfst abnehmen wollen und dich trotzdem schon heute ein bisschen wohler fühlen. Das eine bremst das andere nicht, ganz im Gegenteil.
Was hat dein Körper heute schon für dich getan, ohne dass du es gemerkt hast? Schreib es mir gern, ich bin gespannt.
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