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Früher dachte ich: Wenn ich jetzt aufhöre, denke ich den ganzen restlichen Tag an dieses Essen.
Mein Magen war voll und ich wusste eigentlich genau, dass ich nichts mehr brauche. Trotzdem hat mein Kopf sofort angefangen zu verhandeln: „So schlimm ist es ja nicht. Ist ja nur ein kleiner Bissen und morgen fange ich einfach wieder richtig an.“
„Warum kann ich nicht aufhören zu essen?“ Vielleicht hast du dir diese Frage auch schon gestellt, mitten in so einer Verhandlung. Beim Mittagessen in der Kantine holst du dir noch einen Nachschlag, obwohl du satt bist. Beim Geburtstag isst du das dritte Stück Kuchen, obwohl dir das zweite schon zu viel war.
Ich bin klinische Psychologin und kenne dieses Gefühl von mir selbst. Mit fehlender Disziplin hat es nichts zu tun, aber sehr viel mit deinem Kopf.
Das Wichtigste in Kürze
- Dein Körper merkt meistens sehr schnell, dass er satt ist, dann springt der Kopf an und sucht Gründe zum Weiteressen.
- Diese Gründe klingen logisch, sind aber ein gelerntes Muster, das du unterbrechen kannst.
- Manchmal fühlt es sich okay an, dass dir danach schlecht ist, weil du sehr hart mit dir sprichst.
- Der Drang weiterzuessen ist meistens nach ein paar Minuten vorbei, auch wenn es sich anders anfühlt.
- Die hilfreichste Frage am vollen Teller heißt: Was soll mir der nächste Bissen gerade geben?
Inhalt
- Warum kann ich nicht aufhören zu essen, obwohl ich satt bin?
- „So schlimm ist es ja nicht“: Wie dein Kopf verhandelt
- „Ist doch okay, wenn mir schlecht ist“: Was hinter dem Weiteressen steckt
- Seit ich mir alles erlaube, kann ich gar nicht mehr aufhören
- Früher dachte ich, ich denke den ganzen Tag dran
- Was du beim nächsten Mal anders machen kannst
- Häufige Fragen
- Mein Fazit
Warum kann ich nicht aufhören zu essen, obwohl ich satt bin?
Dein Körper ist meistens längst fertig, aber dein Kopf noch nicht. Du spürst in einer Sekunde, dass du satt bist. Im nächsten Moment findet dein Kopf ganz viele gute Gründe, warum noch ein bisschen geht.
Viele Frauen sagen mir dazu „Ich verstehe es selbst nicht“. Sie spüren das Völlegefühl und wissen genau, dass ihnen der nächste Bissen nicht guttut. Trotzdem essen sie weiter. Eine hat es mal so auf den Punkt gebracht: „Ich weiß, wie es geht – aber ich mache es nicht.“
Das ist kein Zeichen dafür, dass mit dir etwas nicht stimmt. Es ist ein ganz normales Muster, das sich über Jahre eingeschliffen hat. Du bist satt, der Magen ist voll und dann springt der Kopf an und sucht Gründe. Genau diesen Ablauf kannst du unterbrechen.
„So schlimm ist es ja nicht“: Wie dein Kopf verhandelt
Dein Kopf meint es eigentlich gut mit dir. Er hat gelernt, dass Essen hilft. Deshalb sucht er nach Gründen, damit du weitermachst.
Die Gründe klingen dabei richtig überzeugend. Es ist ja so lecker und es ist ja nur ein kleiner Bissen. So schlimm ist es ja nicht und morgen kannst du ja wieder anfangen. Bei mir lief das früher genau so ab und jedes Mal dachte ich: Stimmt eigentlich, das Argument ist gut.
Das Problem ist, dass du in diesem Moment aus dem Körper in den Kopf rutschst. Dein Körper hat schon geantwortet. Dein Kopf führt danach nur noch eine Diskussion, die er fast immer gewinnt.
Deshalb hilft es nicht, mit diesen Gedanken zu diskutieren. Je mehr Aufmerksamkeit ein Gedanke bekommt, desto stärker wird er. Du kannst ihn stattdessen bemerken: „Danke, Kopf, ich weiß, du meinst es gut. Ich bleibe trotzdem bei mir.“

„Ist doch okay, wenn mir schlecht ist“: Was hinter dem Weiteressen steckt
Manchmal isst du weiter, weil es sich gar nicht so schlimm anfühlt, dass dir danach schlecht ist. Dahinter steckt oft, wie du mit dir selbst sprichst.
Genau darum ging es im Oktober in meinem Live-Call. Wer sehr hart mit sich redet, ist meistens auch beim Essen hart mit sich. Dann ist es irgendwie „okay“, vollgestopft am Tisch zu sitzen und kaum noch aufstehen zu können. Tief drin steht oft ein Satz wie: Ich bin es ja eh nicht wert, dass es mir gut geht.
Manchmal geht es auch ums Spüren. Wer den ganzen Tag nur funktioniert, spürt sich oft erst in der Schwere nach dem Essen. Der volle Bauch erdet dann, wenn es sonst nichts gibt, was erdet.
Das ist keine Schuldzuweisung, es zeigt dir nur, wo es sich lohnt hinzuschauen. Hör mal hin, wie du mit dir sprichst, wenn du schon satt bist. Würdest du so mit jemandem reden, den du liebst?
Wenn du dir selbst wichtiger wirst, willst du irgendwann gar nicht mehr, dass es dir nach dem Essen schlecht geht. Das hat dann nichts mit Disziplin zu tun, es passiert ganz von allein.
Seit ich mir alles erlaube, kann ich gar nicht mehr aufhören
Manche Frauen können erst nicht mehr aufhören, seit sie sich alles erlauben. Das liegt meistens daran, dass der Kopf zwar erlaubt hat, das Gefühl aber noch nicht.
Mir ging es am Anfang mit intuitivem Essen genauso. Bei mir war es ein Wechselspiel. Erst habe ich mir plötzlich alles erlaubt und zugenommen. Dann habe ich mich an die neuen Regeln geklammert und mich wieder verbissen.
Beides klappt nicht. Wenn du endlich alles darfst, fühlt sich jede Mahlzeit an wie die letzte Chance. Du isst weiter, weil du tief drin noch glaubst, dass morgen wieder Verzicht kommt. Wer sich dagegen an Hunger und Sättigung klammert, als wären es Gesetze, baut sich einen neuen Käfig.
Echte Erlaubnis heißt, dass du auch morgen und übermorgen essen darfst, worauf du Lust hast. Erst dann muss dein Kopf nicht mehr alles mitnehmen, was gerade da ist.
Und für genau den Moment, in dem dein Kopf schon verhandelt und du merkst, dass es kippt, habe ich die Ampelmethode entwickelt. Du schaust kurz, wie stark der Drang gerade ist. Dann weißt du sofort, was dir jetzt hilft. Hier geht’s zur kostenlosen Ampelmethode.
Früher dachte ich, ich denke den ganzen Tag dran
Früher habe ich gedacht, dass mich das nicht gegessene Stück den ganzen Tag verfolgt. Ich war in dem Moment so drin und wollte es so sehr, dass ich mir gar nicht vorstellen konnte, einfach abzuschalten.
Als ich dann wirklich mal einen Cut gemacht habe, war das Thema für mich plötzlich erledigt. Nach fünf oder zehn Minuten habe ich gar nicht mehr daran gedacht. Und weißt du was? Danach kam sogar ein bisschen Stolz.
Wir überschätzen total, wie lange so ein Drang dauert. Am Anfang kostet das Aufhören auch mal ein bisschen Überwindung. Mit der Zeit fängt dein Kopf die Diskussion aber gar nicht mehr an und dann wird es leicht.
Mir hat damals übrigens etwas ganz Simples geholfen. Ich habe mir kurz die Vorschau von ein paar Yoga-Videos angeschaut und war sofort wieder in meiner Mitte. Mit einem übervollen Bauch wollte ich mich dann so gar nicht bewegen.
Heute muss ich darüber meistens gar nicht mehr nachdenken. Wenn mein Mann abends noch ein Eis isst und ich keinen Hunger habe, juckt mich das überhaupt nicht. Früher hätte ich mir sofort einen Löffel geholt.
Bei meinen Kundinnen sehe ich das auch, nur selten von heute auf morgen. Eine Teilnehmerin hat in der Abschlussumfrage geschrieben: „Ich spüre besser, wann ich aus körperlichem Hunger esse und wann aus anderen Gründen, auch wenn ich es noch nicht immer ändern kann.“ Genau so fängt es an.
Was du beim nächsten Mal anders machen kannst
Wenn du das nächste Mal satt bist und weiteressen willst, frag dich nur: Was soll mir der nächste Bissen gerade geben? Du musst dafür nichts verbieten und keinen Plan aufstellen.
Vielleicht ist die Antwort Ruhe nach einem anstrengenden Vormittag. Dann nimm dir diese Ruhe, ohne dafür weiterzuessen. Vielleicht merkst du auch, dass dein Kopf gerade wieder seine Gründe aufzählt. Dann sag dir: „Ah, da verhandelt er wieder.“
Allein das verändert schon etwas, weil du nicht mehr im Autopiloten bist. Wenn du dich dann bewusst für den Bissen entscheidest, ist das auch okay.
Und wenn es trotzdem mal kippt und du gar nicht mehr aufhören kannst? Dann frag dich hinterher nicht „Was stimmt nicht mit mir?“, sondern lieber „Spannend – woran lag’s?“. Wenn das bei dir öfter passiert, findest du in meinem Artikel über Fressattacken mehr dazu.
Warum du manchmal einfach nicht satt wirst, erkläre ich dir auch in diesem Video: Warum du nie satt wirst – 3 überraschende Gründe
Häufige Fragen
Warum kann ich bei Schokolade nicht aufhören?
Meistens liegt es daran, dass Schokolade im Kopf noch ein bisschen verboten ist. Was verboten ist, willst du ganz mitnehmen, solange es da ist. Wenn du Schokolade bewusst erlaubst und in Ruhe isst, reichen dir mit der Zeit oft ein, zwei Stücke.
Warum kann ich manchmal nicht aufhören zu essen?
Oft passiert es an Tagen, an denen du müde bist, viel Stress hattest oder vorher wenig gegessen hast. Dann hat dein Kopf noch weniger Kraft, seine Gründe zum Weiteressen zu überhören. Schau dir am nächsten Tag mit etwas Abstand an, was in den Stunden davor los war.
Was kann ich tun, wenn ich nicht aufhören kann zu essen?
Bemerke zuerst, dass dein Kopf gerade verhandelt. Dann frag dich, was dir der nächste Bissen eigentlich geben soll. Der Drang geht meistens schneller weg als gedacht. Für Momente, in denen der Drang richtig stark ist, hilft dir die Ampelmethode.
Ist es eine Essstörung, wenn ich nicht aufhören kann zu essen?
Nicht jedes Weiteressen über die Sättigung hinaus ist eine Essstörung, das kennen sehr viele Menschen. Wenn du aber sehr oft die Kontrolle verlierst und dich das stark belastet, lass dir bitte therapeutisch helfen. Das ist ein guter Schritt für dich und kein Versagen.
Mein Fazit
Dass du nicht aufhören kannst, obwohl du satt bist, heißt nicht, dass du zu schwach bist. Dein Körper hat meistens schon längst Bescheid gegeben und dein Kopf hat nur gelernt, ihn zu überreden.
Achte doch mal bei deiner nächsten Mahlzeit auf den Moment, in dem du satt bist. Welcher Satz läuft dann in deinem Kopf? Ich bin gespannt, ob es bei dir auch „So schlimm ist es ja nicht“ ist.
Die Ampelmethode: dein Notfallplan, wenn du nicht aufhören kannst
Wenn dein Kopf schon mitten in der Verhandlung steckt, hast du keine Kraft mehr für lange Überlegungen. Dann hilft dir nur etwas, das sofort wirkt.
Du checkst mit der Ampelmethode kurz, wie stark das Ziehen ist. So weißt du, was dir in diesem Moment hilft, so dass du nicht mehr hilflos weiterisst. Du musst dir dafür nichts verbieten und nicht kämpfen. Das Workbook gibt es kostenlos.
