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Ich habe früher durch Sport zugenommen.
Ich hab mich dabei streng an meine Trainingseinheiten gehalten. Vielleicht sogar gerade deswegen. Es gab eine Zeit, da war ich bis zu neunmal die Woche beim Sport. Total durchgeknallt, ich weiß.
Kalorien gezählt hab ich übrigens auch jahrelang. Irgendwann hab ich sogar eine Ausbildung zur Ernährungsberaterin gemacht. Ich wusste also ganz genau, was gesund ist und was nicht. Geändert hat das an meinem Essen ehrlich gesagt nichts.
Geht es dir ähnlich? Du hast schon Punkte gezählt oder Kohlenhydrate weggelassen und eine Weile hat es auch funktioniert. Jetzt fragst du dich, ob es ohne das alles überhaupt seriös geht. Oder ob das nur das nächste schöne Versprechen ist.
Ich bin klinische Psychologin und meine Antwort ist ein klares Ja. Nur eben anders, als du es aus den meisten Ratgebern kennst.
Das Wichtigste in Kürze
- Abnehmen ohne Diät geht, wenn du an dem ansetzt, warum du isst – nicht nur an dem, was auf deinem Teller liegt.
- Kurzfristig Gewicht verlieren kannst du mit jeder Diät. Abgenommen hast du aber nur, wenn du nie wieder zunimmst.
- Diäten schaden langfristig, weil Verzicht im Kopf einen Mangel erzeugt und dieser Mangel als Heißhunger zurückkommt.
- Abnehmen ist ein psychologischer Prozess. Noch mehr Wissen über Ernährung bringt dich da meistens nicht weiter.
- Wie schnell sich dein Gewicht verändert, ist bei jeder Frau anders. Oft kommt zuerst die Ruhe im Kopf und danach die Abnahme.
Inhalt
Geht Abnehmen ohne Diät seriös? Ja, wenn du am richtigen Punkt ansetzt
Ja, Abnehmen ohne Diät geht seriös. Und zwar dann, wenn du nicht am Teller ansetzt, sondern an dem Grund, warum du isst, obwohl du eigentlich satt bist.
Kurzfristig Gewicht verlieren kannst du mit absolut jeder Diät. Das ist gar nicht so schwer, das hast du wahrscheinlich selbst schon ein paarmal geschafft. Ich sage aber immer: Abgenommen hat nur, wer nie wieder zunimmt.
Seriös heißt für mich deshalb auch, dass ich dir keine Kilos und keine Wochenzahl verspreche. Wie schnell sich dein Gewicht verändert, ist bei jeder Frau anders. Oft kommt erst die Leichtigkeit und dann die Abnahme.
Warum Diäten dir langfristig schaden – auch wenn die Waage erst runtergeht
Diäten schaden langfristig, weil Verzicht im Kopf einen Mangel erzeugt. Und dieser Mangel kommt irgendwann als Heißhunger zurück.
Am Anfang klappt das oft noch richtig gut. Du nimmst morgens nur den Joghurt, lässt mittags die Nudeln weg und fühlst dich stark. Aber irgendwann ist die Kraft aufgebraucht. Dann steht am Nachmittag der Kuchen von der Kollegin im Büro oder abends die Chipstüte auf dem Sofa und es kippt.
Das erzählen mir Frauen immer wieder. Bei Weight Watchers hat es geklappt, solange getrackt wurde. Danach war das Gewicht wieder da. Bei Low Carb wurde der Heißhunger auf genau das immer größer, was verboten war. Eine Frau hat es mal so gesagt: „Kalorien zählen war mein Sicherheitsnetz.“ Genau so fühlt es sich für viele an: ohne App verloren, mit App gefangen.
Dazu kommt der Kopf. Als ich noch gezählt habe, hat sich mein ganzer Tag um Zahlen gedreht. Die Zahl auf der Waage, die in der App und die auf der Verpackung.
War sie klein, hab ich mich gefühlt, als hätte ich heute etwas richtig gemacht. War sie zu groß, kamen Druck und Enttäuschung. Irgendwann hab ich mich nicht mehr wie ein Mensch gefühlt, sondern wie eine Rechnung, die nie aufgeht.
Das Gemeine daran: Wenn das Gewicht Monate später zurück ist, gibt kaum eine Frau der Diät die Schuld. Die war ja längst vorbei und hat ja geholfen. Also gibst du dir selbst die Schuld und denkst: „War ja klar, dass ich es wieder nicht durchhalte.“ Warum das Gewicht nach einer Diät so oft zurückkommt, erkläre ich dir ausführlicher in meinem Artikel zum Jojo-Effekt.

Abnehmen ist Kopfsache: Warum noch mehr Wissen nicht hilft
Abnehmen ist ein psychologischer Prozess und kein Ernährungsproblem. Die Frauen, die zu mir kommen, wissen genau, was gesund ist. Ein Satz, den ich immer wieder höre, ist: „Ich weiß, wie es geht – aber ich mache es nicht.“
Das Problem ist dabei nicht das Essen. Das Essen hat eine Aufgabe übernommen, die ihm nie gehört hat. Solange es diese Aufgabe hat, holt sich dein Kopf das Essen, auch wenn du pappsatt bist. Da hilft dir die zehnte Kalorientabelle auch nicht weiter.
Bei meiner Tochter sehe ich das jeden Tag. Ich hatte mir mal so kleine Tütchen mit zuckerarmen Gummibärchen gekauft, einfach aus Neugier. Mila kam um die Ecke und wollte unbedingt auch welche. Ich hab es ihr nicht verboten und sie war total gehypt und hat zwei Tütchen weggefuttert.
Als das zweite fast leer war, hat sie mir das letzte Gummibärchen in die Hand gespuckt, weil es ihr zu viel war. Seitdem hat sie keine mehr gegessen und das ist jetzt fast ein halbes Jahr her. Was nicht verboten ist, verliert irgendwann ganz von allein seinen Reiz.
Der Punkt ist: Weder mein Mann noch Mila wissen mehr über Ernährung als du. Sie haben nur einen anderen Umgang mit Essen. Und genau den kannst du lernen.
Ohne Diät und ohne Sport-Pflicht: Was ich heute anders mache
Heute mache ich Sport, weil er mir guttut – nicht mehr, um mir mein Essen zu verdienen. Und ich lasse mir von keiner Zahl mehr sagen, ob ich gut genug bin.
Meine Uhr hat mir vor einer Weile 34 von 100 Punkten für meine Fitness gegeben. Die 100 ist dabei kein Wert für Spitzensportler. Das ist das, was die WHO als Minimum für gesunde Erwachsene empfiehlt. Dabei gehe ich fast jeden Tag spazieren und bin mit den Kindern ständig in Bewegung. Einmal die Woche mache ich Sport.
Früher hätte ich mich darüber geärgert und sofort überlegt, wie ich schnell noch mehr Punkte sammle. Heute mache ich beides nicht. Ich esse ohne Kampf und fühle mich wohl in meinem Körper. Vielleicht sind 34 Punkte gerade genau richtig für diese Phase meines Lebens.
Damals waren Essen und Sport bei mir eine Gleichung. Hatte ich mittags mehr gegessen, musste ich am nächsten Tag mehr trainieren. Nach dem Training hatte ich mir dafür das Abendessen verdient. Der Haken daran: Sport, der sich nach Pflicht anfühlt, macht dich hinterher total k.o. Aus dieser Erschöpfung isst du dann oft mehr, als du verbrannt hast.
Deshalb trenne ich Bewegung und Essen heute im Kopf. Bewegung ist für mich da und nicht gegen mich.
Wie intuitives Essen so funktioniert, dass du damit abnehmen kannst, habe ich dir in meinem kostenlosen Guide „Intuitiv schlank“ aufgeschrieben. Darin findest du sieben Meilensteine. Dazu gibt es ein Erklärvideo, damit du den Guide auch so nutzt, dass sich bei dir etwas verändert.
Was du heute schon anders machen kannst
Nimm dir eine Regel aus deinem Kopf und frag dich ehrlich: Hat sie mich dahin gebracht, wo ich hinwollte?
Das kann „kein Brot nach 18 Uhr“ sein. Oder der Salat, den du dir nach einem großen Mittagessen als Ausgleich verordnest. Oder die Schokolade, von der du immer nur eine Rippe nehmen darfst. Wenn du ehrlich bist, lautet die Antwort wahrscheinlich: nicht wirklich. Die Regeln haben dich genau dahin gebracht, wo du heute bist – und nicht weiter.
Ein Gedanke aus meinem Programm hilft dir dabei: Jede Mahlzeit steht für sich. Nach einem großen Mittagessen musst du abends nichts ausgleichen. Bei der nächsten Mahlzeit isst du, worauf du Lust hast und so viel, wie du Hunger hast. Oft ist das ganz von selbst weniger.
Und wenn es mal nicht klappt? Dann frag dich lieber „Spannend, woran lag’s?“ als „Jetzt ist es eh egal“. Eins ist größer als null, auch beim Abnehmen.
Wie sich Abnehmen ohne Diät für eine Kundin angefühlt hat, erzählt Germaine selbst im Interview: „Ich habe auf nichts verzichtet“ – Interview mit Germaine
Häufige Fragen
Kann man ohne Diät abnehmen?
Ja, das geht, wenn du an den Gründen ansetzt, warum du isst, obwohl du keinen Hunger hast. Eine Diät regelt nur, was auf deinem Teller landet. Ohne Diät veränderst du deinen Umgang mit Essen. Das Gewicht ist dann die Folge davon.
Kann ich ohne Diät und ohne Sport abnehmen?
Abnehmen hängt viel stärker daran, ob du ohne Hunger isst, als daran, wie viel du trainierst. Bewegung, die dir Spaß macht, tut dir trotzdem gut. Sie sollte sich nur nie wie eine Strafe fürs Essen anfühlen.
Ist mein Stoffwechsel nach vielen Diäten kaputt?
Den Satz „Mein Stoffwechsel ist kaputt“ höre ich oft, vor allem von Frauen ab 40. Ob körperlich etwas nicht stimmt, klärst du am besten mit deiner Ärztin. Aus psychologischer Sicht steckt dahinter oft das Gefühl, dass es bei dir einfach nicht geht. Und dieses Gefühl kommt meistens von den vielen Diäten, nicht von dir.
Was hat Abnehmen mit Psychologie zu tun?
Mehr, als die meisten denken. Ob du isst, obwohl du satt bist, entscheidet nicht dein Wissen über Kalorien. Das entscheiden deine Gewohnheiten und die Sätze, die du über dich selbst glaubst.
Wie schnell nimmt man ohne Diät ab?
Das ist bei jeder Frau anders, deshalb nenne ich dir hier keine Zahl. Bei vielen wird es zuerst ruhiger im Kopf und erst danach bewegt sich die Waage. Wer dabei aufs Tempo drückt, rutscht schnell wieder ins Diät-Denken.
Mein Fazit
Ich habe es jahrelang mit Zählen und Trainieren versucht. Die Wende kam bei mir nicht mit einem neuen Plan. Sie kam, als ich verstanden habe, warum ich esse, obwohl ich keinen Hunger habe.
Welche Regel aus deiner letzten Diät hast du heute noch im Kopf?
Wenn du wissen willst, wie intuitives Essen funktioniert und wie du damit abnehmen kannst, hol dir meinen kostenlosen Guide „Intuitiv schlank“. Mit den sieben Meilensteinen und dem Erklärvideo weißt du danach, wie du ohne Regeln im Kopf essen kannst. So hängt das Abnehmen nicht mehr am Durchhalten.
