Erfahrungen & Bewertungen zu Natascha Renk
Natascha Renk (klinische Psychologin, Ernährungsberaterin, Coach)

← Alle Artikel zu emotionalem Essen im Überblick

Früher habe ich zum Kaffee am Nachmittag immer etwas gegessen, ganz egal, ob ich Hunger hatte.

Am Anfang hatte ich um diese Zeit tatsächlich Hunger. Irgendwann war der Hunger weg, aber das Essen ist geblieben, weil es einfach dazugehört hat. Ich habe nicht einmal darüber nachgedacht, ob ich es gerade will.

So eine feste Stelle für Essen ohne Hunger gibt es bei vielen. Vielleicht ist es bei dir der Keks zum Kaffee im Büro. Oder die Tüte Chips, sobald die Serie läuft, auch wenn du vorher richtig gut gegessen hast.

Ich bin klinische Psychologin und sehe hinter Essen ohne Hunger ganz oft keinen großen Gefühlssturm. Es ist der Autopilot: Dein Alltag hat das Essen an bestimmten Stellen einfach fest eingeplant.

Das Wichtigste in Kürze

  • Essen ohne Hunger ist sehr oft eine Gewohnheit, die an eine bestimmte Situation geknüpft ist, etwa an den Kaffee am Nachmittag.
  • Im Autopiloten isst du, ohne vorher zu entscheiden, ob du überhaupt etwas willst.
  • Eine Gewohnheit ist selten nur Gewohnheit, meistens übernimmt sie nebenbei noch eine kleine Aufgabe wie einen Übergang in den Feierabend.
  • Du musst die Gewohnheit nicht bekämpfen, der erste Schritt ist, sie zu bemerken.
  • Eine neue Gewohnheit wird mit der Zeit genauso leicht wie die alte.

Warum du isst, obwohl du keinen Hunger hast: Dein Alltag hat Essen fest eingeplant

Wenn du ohne Hunger isst, steckt sehr oft eine Gewohnheit dahinter. Irgendwann hat sich eine Situation mit Essen verknüpft und seitdem gehört beides zusammen.

Jede Gewohnheit hat einen Auslöser. Das kann eine Uhrzeit sein, ein Ort oder etwas, das du gerade tust. Bei vielen Frauen ruft der Kaffee am Nachmittag nach einem Keks. Bei anderen ist es das Sofa, auf dem die Hand nach dem Hinsetzen ganz von allein zur Schale wandert.

Eine Frau hat es mal so auf den Punkt gebracht: „Glotze an, Hirn aus.“ Genau so fühlt sich das an. Du triffst gar keine Entscheidung mehr, das Essen passiert einfach mit.

Mit Disziplin hat das übrigens nichts zu tun. Gewohnheiten sind sogar etwas sehr Praktisches, weil dein Gehirn sich damit Arbeit spart. Es muss nicht jedes Mal neu überlegen. Leider unterscheidet es dabei nicht, ob dir eine Gewohnheit guttut oder nicht.

Essen im Autopiloten: „Ich verstehe es selbst nicht“

Im Autopiloten isst du, bevor dein Kopf überhaupt mitbekommt, dass du isst. Viele merken es erst, wenn die Schale leer ist oder der Teller schon wieder abgeräumt.

Ich kenne diesen Zustand gut. Nach der Arbeit stand ich früher oft schon am Kühlschrank, bevor ich überhaupt meine Sachen abgelegt hatte. An anderen Tagen habe ich alles durcheinander gegessen, schnell, nebenbei und ganz automatisch. Erst danach habe ich gemerkt, wie voll und träge ich war.

Viele Frauen sagen mir dazu: „Ich verstehe es selbst nicht.“ Das ist ganz normal. Dein Gehirn hat diesen Weg so oft genommen, dass er zu einer breiten Autobahn geworden ist. Der neue Weg, auf dem du kurz innehältst, ist dagegen noch ein schmaler Trampelpfad.

Je öfter du den neuen Weg nimmst, desto breiter wird er. Die alte Autobahn wird dabei langsam schmaler. Das dauert eine Weile und eine ganz dünne alte Spur bleibt immer. So funktioniert dein Gehirn einfach, mit Versagen hat das nichts zu tun.

Gewohnheit ist selten nur Gewohnheit

Hinter fast jeder Ess-Gewohnheit steckt noch eine kleine Aufgabe, die das Essen nebenbei übernimmt. Deshalb fällt es so schwer, sie einfach wegzulassen.

Manchmal ist es ein Übergang. Der Keks nach dem letzten Meeting sagt deinem Kopf: Jetzt ist Feierabend. Manchmal ist es Gemütlichkeit, weil es einfach schön ist, mit etwas in der Hand auf dem Sofa zu sitzen.

Oft geht es auch ums Zusammensein. In einem Live-Call ging es mal um das gemeinsame Snacken mit dem Partner, obwohl der Körper längst satt ist. Dabei geht es fast nie um die Chips. Es geht darum, zusammen etwas Schönes zu haben.

Deshalb helfen Verbote hier auch nicht weiter. Nimmst du nur den Keks weg, fehlt plötzlich der Übergang und die Lücke sucht sich etwas anderes. Viel hilfreicher ist die Frage, was dir die Gewohnheit eigentlich gibt.

So entsteht Essen im Autopiloten

Früher gehörte etwas zum Kaffee dazu, heute will ich oft gar nichts

Früher habe ich zum Kaffee am Nachmittag immer etwas gegessen, heute sitze ich oft dabei und will einfach nichts. Dazwischen lag kein großer Kampf, sondern viele kleine Schritte.

Als mir aufgefallen ist, dass ich um diese Zeit gar keinen Hunger mehr hatte, habe ich angefangen hinzuschauen. Erst habe ich nur noch die Hälfte genommen. Dann gab es eine Zeit lang etwas anderes dazu, bis es irgendwann auch okay war, gar nichts zu essen.

Das Schönste kam aber erst danach. Irgendwann saßen andere neben mir bei Kaffee und Kuchen und ich hatte einfach keinen Bock darauf. Ich musste mich nicht zusammenreißen, das Bedürfnis war schlicht weg.

Mit dem Abend auf der Couch ging es mir genauso. Früher hätte ich mir nie vorstellen können, nach dem Abendessen nichts mehr zu essen. Heute würde es mich eher Überwindung kosten, noch etwas zu essen, weil mir die Ruhe danach so guttut.

Eine neue Gewohnheit wird irgendwann genauso leicht wie die alte. Das kannst du dir jetzt vielleicht nicht vorstellen, aber ich habe es bei mir und bei vielen Kundinnen erlebt.

Eine meiner Kundinnen hat am Ende als größte Erkenntnis aufgeschrieben: „Es wird erst besser, wenn andere Dinge wichtiger werden.“ Genau so löst sich eine Gewohnheit. Nicht, weil du sie bekämpfst – sondern weil etwas anderes ihren Platz einnimmt.

Ob bei dir vor allem die Gewohnheit dahintersteckt oder etwas ganz anderes, hängt von deinem Essenstyp ab. In meinem kostenlosen Essenstypen-Test findest du das schnell heraus, mit Auswertung als PDF.

Essen ohne Hunger: Was du ab heute anders machen kannst

Du musst dir keine Gewohnheit verbieten. Fang damit an, sie zu bemerken, denn damit bist du schon raus aus dem Autopiloten.

Beobachte dich zwei, drei Tage lang, ohne irgendetwas zu verändern. Wann isst du ohne Hunger, wo bist du gerade und wie fühlst du dich dabei? Schreib es dir kurz auf, ganz ohne Bewertung.

Länger als ein paar Tage brauchst du das nicht, sonst wird schnell wieder Kontrolle daraus.

Danach reicht ein einziger Moment, in dem du denkst: „Ah, da ist er wieder, mein Autopilot.“ Im Live-Call habe ich dazu gesagt, dass genau dieser Moment schon der Gewinn ist. Ab da kannst du kurz innehalten und dich fragen: Will ich das jetzt wirklich oder gehört es nur dazu?

Eine Kundin hat im Coaching mal gesagt: „Die Schlüssel sind alle da, aber in dem Moment fehlen mir die Ideen.“ Das kennen viele. Dann hilft etwas, das dich von außen erinnert. Das kann ein Zettel am Kühlschrank in richtig fetter Schrift sein oder ein kleines Herz an der Süßigkeiten-Schublade.

Und wenn du dich danach trotzdem für den Keks entscheidest? Dann iss ihn ganz bewusst und schmeck ihn. Auch das ist schon ein anderer Weg als der Autopilot.

Häufige Fragen

Was tun gegen Essen ohne Hunger?

Fang damit an, zu bemerken, wann es passiert, ohne dich dafür zu verurteilen. Beobachte dich ein paar Tage und schau, an welche Situationen das Essen geknüpft ist. Dann kannst du im Moment kurz innehalten und neu entscheiden.

Warum esse ich ständig, obwohl ich keinen Hunger habe?

Ständiges Essen ohne Hunger ist meistens eine Mischung aus Gewohnheit und einem Gefühl, das gerade keinen Platz hat. Oft hängt es an festen Situationen wie dem Kaffee oder der Couch. Wenn du dagegen ständig ein echtes Hungergefühl hast, lies auch meinen Artikel Immer Hunger trotz Essen.

Ist Essen ohne Hunger immer schlecht?

Nein, ganz und gar nicht. Ein Stück Geburtstagskuchen mit Freundinnen kann genau das Richtige sein, auch ohne Hunger, weil es ein schöner Moment ist. Schwierig wird es erst, wenn es automatisch passiert und du hinterher gar nicht mehr weißt, warum.

Ist Essen aus Gewohnheit emotionales Essen?

Ja, im weiteren Sinn schon, weil du dabei nicht aus körperlichem Hunger isst. Oft steckt in der Gewohnheit auch noch ein kleines Gefühl, zum Beispiel der Wunsch nach einer Pause oder nach Gemütlichkeit. Genau deshalb lohnt es sich, hinzuschauen, was sie dir gibt.

Wie lange dauert es, eine Ess-Gewohnheit zu ändern?

Das ist bei jeder Frau anders und hängt auch davon ab, wie lange die Gewohnheit schon da ist. Rechne eher mit Monaten als mit Tagen. Es wird nach und nach seltener und leiser, auch wenn es zwischendurch Tage gibt, an denen der Autopilot gewinnt.

Zum Schluss

Wenn du ohne Hunger isst, bist du nicht maßlos. Dein Alltag hat nur ein paar Stellen, an denen das Essen seit Jahren ganz automatisch mitläuft.

Welche Gewohnheit fällt dir als Erstes ein, wenn du an deinen Tag denkst? ☺️

Finde heraus, welcher Essenstyp du bist

Mein Essenstypen-Test ist kostenlos und dauert nur zwei Minuten. Dazu bekommst du ein PDF, das dir deine Stärken und Stolpersteine zeigt. So weißt du, was bei dir hinter dem Essen ohne Hunger steckt und womit du starten kannst.

Zum kostenlosen Test

{"email":"Email address invalid","url":"Website address invalid","required":"Required field missing"}
>