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„Ich bin kurz satt und eine Stunde später schleiche ich wieder um den Kühlschrank.“
Diesen Satz hat mir mal eine Frau geschrieben und ich glaube, du kennst ihn auch. Du hast mittags in der Kantine ordentlich gegessen und um drei stehst du trotzdem am Automaten. Oder du räumst nach dem Abendessen die Küche auf und naschst dabei schon wieder die Reste vom Teller.
Wenn du ständig Hunger hast, obwohl du genug gegessen hast, verunsichert dich das wahrscheinlich langsam. Stimmt mit meinem Körper was nicht? Oder bin ich einfach maßlos? Ich kenne das. Satt war ich früher erst, wenn der Magen richtig gedrückt hat und ich schon ganz schön voll war.
Und weißt du was? Ganz oft ist das, was sich wie ständiger Hunger anfühlt, gar kein Hunger aus dem Magen.
Das Wichtigste in Kürze
- Körperlicher Hunger sitzt eher im Magen, wird langsam stärker und wäre mit vielem zufrieden.
- Emotionaler Hunger sitzt eher in Hals oder Brust, ist drängend und will sofort etwas ganz Bestimmtes.
- Wer viele Diäten hinter sich hat, fühlt sich oft ständig hungrig, weil der Kopf den Verzicht wie eine Hungersnot behandelt.
- Bist du dauernd hungrig und müde, fehlt dir oft eher Erholung als Essen. Körperliche Ursachen wie die Schilddrüse lässt du bitte ärztlich abklären.
- Was bei dir hinter dem Hungergefühl steckt, hängt von deinem Essenstyp ab, den du im kostenlosen Essenstypen-Test herausfindest.
Inhalt
- Echter oder emotionaler Hunger: So unterscheidest du die beiden
- Warum du ständig Hunger hast, obwohl du gerade gegessen hast
- Immer Hunger und müde: Wenn dir eigentlich Pause fehlt
- Früher habe ich nach Regeln gegessen, heute höre ich wieder hin
- Was du beim nächsten Hungergefühl ausprobieren kannst
- Häufige Fragen
- Zum Schluss
Echter oder emotionaler Hunger: So unterscheidest du die beiden
Körperlicher Hunger kommt langsam aus dem Magen, emotionaler Hunger kommt plötzlich und will genau eine Sache. Echter Hunger fühlt sich ein bisschen an wie im Restaurant mit der Speisekarte in der Hand. Das klingt lecker, das da drüben auch – und eigentlich wärst du mit fast allem zufrieden.
Emotionaler Hunger will dagegen sofort die Schokolade oder genau das Stück Kuchen auf dem Tisch im Büro. Etwas anderes kommt gar nicht in Frage. Ein paar Anhaltspunkte helfen dir beim Unterscheiden:
- Körperlicher Hunger sitzt eher im Magen, manchmal knurrt er. Er wird nach und nach stärker und ist ziemlich geduldig.
- Emotionaler Hunger sitzt eher im Mund, im Hals oder in der Brust. Er ist drängend und will jetzt sofort etwas ganz Bestimmtes, meistens eher Süßes oder Fettiges.
Das sind Anhaltspunkte und keine festen Regeln. Gerade wenn du aus vielen Diäten kommst, ist es völlig normal, dass du dir am Anfang nicht so sicher bist.
Emotionaler Hunger ist übrigens auch, wenn du eigentlich schon satt bist und trotzdem weiterisst, weil es gerade so lecker ist. Das würden die wenigsten Heißhunger nennen, aber es ist genauso Essen ohne Hunger.
Warum du ständig Hunger hast, obwohl du gerade gegessen hast
Wenn du dauernd Hunger hast, obwohl du regelmäßig isst, steckt meistens nicht dein Magen dahinter, sondern dein Kopf. Drei Gründe sehe ich dabei immer wieder.
Dein Kopf glaubt, es ist Hungersnot
Verzicht fühlt sich für deinen Kopf an wie eine Hungersnot. Früher in der Steinzeit gab es immer wieder Wochen ohne Essen und dann musste man jede Chance sofort sehen. Genau dieser alte Teil deines Gehirns springt an, wenn du dir etwas verbietest.
Dann riecht der Bäcker auf dem Weg zur Arbeit plötzlich viel intensiver. Auf die Schale mit den Süßigkeiten im Büro musst du ständig gucken und auf jeder Feier starrst du das Kuchenbuffet an. Das schaffst du mit Willenskraft vielleicht ein paar Tage. An einem stressigen Tag gewinnt dann wieder dieser alte Teil in dir.
Das Essen hat eine Aufgabe übernommen
Ganz oft ist das Hungergefühl eigentlich ein anderes Gefühl, das gerade keinen Platz hat. Das kann Stress sein oder Frust. Es kann auch Langeweile sein, wie zwischen zwei Aufgaben im Homeoffice. Darüber habe ich in meinem Artikel Essen aus Langeweile stoppen mehr geschrieben.
Deine Signale sind leiser geworden
Wer jahrelang Kalorien gezählt und gegen den eigenen Hunger angekämpft hat, hört irgendwann nicht mehr so genau hin. Eine Frau hat mir das mal so beschrieben: „Beim Kochen snacke ich und wenn es fertig ist, habe ich keinen Hunger mehr.“ Hunger und Sättigung fühlen sich dann unscharf an und du traust deinen eigenen Signalen nicht mehr.

Immer Hunger und müde: Wenn dir eigentlich Pause fehlt
Wenn du ständig Hunger hast und gleichzeitig müde bist, fehlt dir oft eher Erholung als Essen. Dass wenig Schlaf hungriger macht und mehr Lust auf Süßes und Fettiges, kennst du wahrscheinlich aus eigener Erfahrung. Eine Frau hat es mal auf den Punkt gebracht: „Je müder ich werde, desto mehr Lust auf Süßes.“
Bei mir war Müdigkeit neben Stress jahrelang der Grund Nummer eins für Essen ohne Hunger. Als unser Sohn noch ganz klein war, lag ich tagsüber oft neben ihm, bis er eingeschlafen ist. Dabei bin ich ganz oft selbst mit eingeschlafen. Wenn ich aufgewacht bin, war der Gedanke ans Essen komplett weg, weil es eben kein Hunger war.
Noch etwas ist mir wichtig. Wenn sich dein Hunger stark verändert hat oder du dir unsicher bist, lass das bitte ärztlich abklären, zum Beispiel die Schilddrüse. Das gehört in eine Arztpraxis und nicht in einen Blogartikel.
Was genau bei dir hinter dem ständigen Hungergefühl steckt, hängt stark davon ab, welcher Essenstyp du bist. Das findest du in meinem kostenlosen Essenstypen-Test in zwei Minuten raus und bekommst deine Auswertung als PDF dazu.
Früher habe ich nach Regeln gegessen, heute höre ich wieder hin
Früher habe ich überlegt, ob ich essen darf. Heute frage ich mich, was mein Körper gerade will. Das hat mir unsere Tochter Mila ziemlich gut vorgemacht.
Als sie Magen-Darm hatte, wollte sie den ganzen Morgen nichts essen. Wir haben sie gelassen und nur geschaut, dass sie genug trinkt. Zur Mittagszeit kam sie dann angetappt, wollte „Bambane“ und hat zwei Bananen ganz schön runtergeputzt. Ihr Körper hat ihr einfach gesagt, was er braucht, ohne Nachdenken und ohne Zweifel.
Wenn ich früher krank war, lief in meinem Kopf ein ganzes Gespräch ab. Soll ich was essen oder lieber nicht? Man braucht doch Energie, also vielleicht was Kleines? Hinterher hatte ich ein schlechtes Gewissen, ganz egal, ob es mir gutgetan hat oder nicht. Ich habe analysiert und Regeln befolgt, aber keine Minute geschaut, was mein Körper eigentlich will.
Heute gibt es auch bei mir Tage, an denen ich beim Essen überhaupt nicht bei mir bin. An einem davon war unser Sohn morgens beim Impfen, danach hatte ich ein Meeting, ein Coaching und musste noch drei Videos drehen. Beim Abendessen war mein Teller auf einmal leer und ich wusste nicht mal mehr, was alles drauf war.
Früher hätte ich mich darüber geärgert und aus Frust weitergegessen. An dem Abend ist einfach gar nichts passiert. Das Eis, das ich sonst gern noch auf der Couch esse, hat nicht mehr reingepasst, also habe ich es weggelassen.
Dein Körper weiß mehr, als du ihm gerade zutraust. Er ist im Moment nur leiser als die Regeln in deinem Kopf.
Was du beim nächsten Hungergefühl ausprobieren kannst
Halt kurz inne und frag dich zwei Dinge: Wo spüre ich das gerade? Und wäre ich jetzt auch mit etwas anderem zufrieden?
Sitzt das Gefühl im Magen und dir würde auch ein Brot oder eine Suppe passen, dann ist es ziemlich sicher echter Hunger. Dann iss – und zwar das, worauf du Lust hast. Bei körperlichem Hunger ist wirklich alles erlaubt.
Muss es dagegen genau jetzt die Schokolade sein und das Gefühl sitzt eher im Hals, dann ist es wahrscheinlich emotionaler Hunger. Auch dann darfst du essen. Setz dich hin und iss in Ruhe, statt es zwischen Tür und Angel runterzuschlingen. Danach darfst du dich neugierig fragen: Warum brauche ich das gerade eigentlich?
Noch ein kleiner Gedanke: Deinen Hunger spürst du am leichtesten, wenn du anfängst zu essen, solange du leicht hungrig bist.
Das gelingt nicht jedes Mal und das muss es auch nicht. Jedes Mal, wenn du kurz hinspürst, kommst du deinem Körper ein Stück näher.
Mehr dazu gibt es in meinem Video Immer Hunger, nie satt? Was du dagegen tun kannst.
Häufige Fragen
Wie erkenne ich, ob ich emotionalen oder körperlichen Hunger habe?
Körperlicher Hunger sitzt eher im Magen, kommt langsam und wäre mit vielem zufrieden. Emotionaler Hunger sitzt eher in Hals oder Brust, kommt plötzlich und will sofort etwas ganz Bestimmtes. Die Frage „Wäre ich jetzt auch mit etwas anderem zufrieden?“ hilft dir oft schon weiter.
Ich habe immer Hunger – was kann ich tun?
Schau zuerst, ob du dir gerade etwas verbietest, denn Verzicht macht den Kopf hungrig. Iss bei echtem Hunger, was dir schmeckt. Bei plötzlichem Drang frag dich, welches Gefühl gerade dahintersteckt. Hält das Hungergefühl trotzdem an, lass es bitte ärztlich abklären.
Warum habe ich immer Hunger und bin müde?
Weil sich Essen bei Müdigkeit wie schnelle Energie und eine kleine Pause anfühlt. Wenig Schlaf macht hungriger und weckt mehr Lust auf Süßes. Oft hilft dann eine echte Pause mehr als der nächste Snack.
Was sind die Ursachen für ständigen Hunger?
Aus psychologischer Sicht steckt meistens Verzicht dahinter oder ein Gefühl wie Stress oder Langeweile. Nach vielen Diäten sind außerdem oft die eigenen Hungersignale unscharf geworden. Körperliche Ursachen wie die Schilddrüse lässt du bitte ärztlich abklären.
Geht emotionaler Hunger wieder weg?
Er wird seltener und leiser, sobald du verstehst, was dahintersteckt. Dann muss das Essen diese Aufgabe nicht mehr übernehmen. Mit Verboten klappt das nicht, weil sie den Drang eher größer machen. Auch heute esse ich mal etwas ohne Hunger, aber es hat keine Macht mehr über mich.
Zum Schluss
Ständig Hunger zu haben, heißt nicht, dass du maßlos bist oder mit dir etwas nicht stimmt. Meistens hat dein Körper nur lange nicht mehr erlebt, dass ihm jemand zuhört.
Wann hast du das letzte Mal so richtig echten Hunger gespürt, mit knurrendem Magen und allem? ☺️
Finde heraus, welcher Essenstyp du bist
In meinem kostenlosen Essenstypen-Test beantwortest du zehn kurze Fragen und weißt in zwei Minuten, welcher Essenstyp du bist. Dazu bekommst du ein PDF, das dir deine Stärken und Stolpersteine zeigt. So weißt du, was bei dir hinter dem ständigen Hungergefühl steckt und womit du starten kannst.
