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In meinem Küchenschrank liegen gerade Lebkuchen vom letzten Jahr.
Für jemanden, der früher schon im August die ersten Lebkuchen gekauft hat, ist das ziemlich lustig.
Bei dir sieht es gerade vielleicht ganz anders aus als in meinem Schrank. Die Schokolade in der Schublade lässt dir keine Ruhe, bis sie weg ist. Im Büro wanderst du ein drittes Mal zur Keksdose und an der Supermarktkasse landet der Riegel fast von allein auf dem Band.
Dieses Gefühl, nicht mehr selbst zu entscheiden, kenne ich gut. Als klinische Psychologin behandle ich es trotzdem nicht als Sucht. Warum ich das so sehe und was dir stattdessen hilft, erkläre ich dir hier.
Das Wichtigste in Kürze
- Der Drang nach Süßem kann sich wie eine Sucht anfühlen, ich behandle ihn aber nicht als Sucht im medizinischen Sinn.
- Würdest du Süßes wie eine Sucht behandeln, bliebe nur der lebenslange Verzicht – und genau der macht das Ziehen stärker.
- Süßes ist oft so verlockend, weil es im Kopf verboten ist und weil es eine Aufgabe für dich erledigt.
- Wenn das Essen weniger wird und plötzlich das Handy dran ist, ist das ein normaler Schritt und kein Rückfall.
- Die hilfreichste Frage im Moment heißt: Wird gerade wirklich etwas besser, wenn ich das jetzt esse?
Inhalt
- Ist Zuckersucht eine echte Sucht?
- Warum dich Süßes so stark anzieht
- Was Süßes eigentlich für dich erledigt
- Früher Lebkuchen auf Vorrat, heute Lebkuchen vom letzten Jahr
- Statt Schokolade plötzlich das Handy: Suchtverlagerung
- Was du beim nächsten Griff zur Schublade anders machen kannst
- Häufige Fragen
- Mein Fazit
Ist Zuckersucht eine echte Sucht?
Ich behandle die Lust auf Süßes nicht als Sucht im medizinischen Sinn. Das heißt nicht, dass dein Gefühl falsch ist. Wenn du vor der offenen Schublade stehst und nicht aufhören kannst, fühlt sich das genau so an.
Ob man das nun Sucht nennt oder nicht, ist mir ehrlich gesagt gar nicht so wichtig. Wichtig ist, was aus dem Wort folgt. Bei einer Sucht wäre die Lösung klar: Du müsstest für immer die Finger davonlassen. So wie jemand mit einem Alkoholproblem keinen einzigen Schluck mehr trinkt.
Genau das haben die meisten Frauen, die zu mir kommen, schon hinter sich. Low Carb, Weight Watchers oder der feste Vorsatz, ab Montag keinen Zucker mehr anzufassen. Am Anfang lief es super und irgendwann kam der Heißhunger auf genau das, was gerade verboten war.
Eine Sache ist mir als klinische Psychologin dabei trotzdem wichtig. Wenn du das Gefühl hast, dass dein Essen dich stark belastet und du sehr oft die Kontrolle verlierst, hol dir bitte therapeutische Unterstützung. Das ist ein guter Schritt und kein Versagen.
Warum dich Süßes so stark anzieht
Süßes zieht dich so stark an, weil irgendetwas in deinem Kopf sagt: Eigentlich solltest du das gar nicht essen. Je verbotener es ist, desto lauter wird es.
Ich mache dafür gern ein kleines Gedankenspiel. Stell dir vor, ich halte dir einen Apfel hin und sage, dass du in deinem ganzen Leben nie wieder einen Apfel essen darfst. Was glaubst du, wie viel Lust du nach ein paar Wochen auf Äpfel hättest?
Bei Süßigkeiten passiert genau das, nur viel stärker, weil du sie ja wirklich gern magst. Jedes Stück fühlt sich ein bisschen verboten an. Frauen beschreiben mir das oft so: „Es ist wie ein Krieg im Kopf.“ Oder sie sagen: „Ich mache mir selbst einen Strich durch die Rechnung.“
Vielleicht gibt es aber auch Süßigkeiten, die dir völlig egal sind. Manche sagen mir zum Beispiel, dass Gummibärchen noch nie ihr Ding waren. Die können dann wochenlang im Schrank liegen, weil sie sich gar nicht nach Verzicht anfühlen. Genau daran siehst du, dass der Zucker allein dich nicht steuert.
Was Süßes eigentlich für dich erledigt
Der zweite Grund ist, dass Süßes für dich eine Aufgabe erledigt. Es macht einen schwierigen Moment für ein paar Minuten leichter.
Du kommst gestresst von der Arbeit nach Hause, isst etwas und der Stress wird besser. Oder du sitzt im Büro nach einem nervigen Telefonat und der Schokoriegel fühlt sich an wie eine kleine Pause. Dein Gehirn hat sich das gemerkt: Wenn ich esse, geht es mir besser.
Mit Schwäche hat das nichts zu tun. Dein Gehirn sucht immer die schnellste Lösung für jetzt, auch wenn sie langfristig mehr Druck macht. Süßes liegt dafür einfach überall herum und wirkt sofort.
Welche Aufgabe es bei dir übernimmt, ist bei jeder Frau anders. Bei der einen ist es Trost, bei der anderen der einzige ruhige Moment am Tag. Genau das herauszufinden ist der Punkt, an dem sich wirklich etwas verändert.

Früher Lebkuchen auf Vorrat, heute Lebkuchen vom letzten Jahr
Früher habe ich mir Süßes versteckt, damit ich es nicht esse. Dann kam der Heißhunger und ich habe auf einmal ganz viel davon gegessen. Lebkuchen habe ich schon im August gekauft und im Schlussverkauf gleich auf Vorrat.
Als ich dann raus war aus der Diät-Denke, hatte ich trotzdem noch Angst, etwas zu verpassen. Also habe ich weiter Lebkuchen auf Vorrat gekauft. Und weißt du was? Ich habe sie gar nicht gegessen, weil ich sie nicht mehr gebraucht habe. Manche lagen im nächsten August noch da.
Weggegangen ist das Ziehen nicht durch mehr Verzicht. Es ging weg, weil Süßes für mich keine Aufgabe mehr hatte und weil es nichts Besonderes mehr war. Heute esse ich Lebkuchen, wenn ich Lust darauf habe. Sonst bleiben sie halt liegen.
Bei meinen Kundinnen sehe ich das auch, nur selten so glatt, wie man es gern hätte. Eine Kundin hat in der Abschlussumfrage geschrieben: „Ich kann langsam immer besser mit Süßigkeiten umgehen und Essanfälle werden weniger.“ Das „langsam“ mag ich daran besonders, weil es ehrlich ist.
Übrigens: In meiner kostenlosen Masterclass „Frei von emotionalem Essen“ schauen wir uns an, was hinter dem Essen steckt, wenn du eigentlich satt bist. Dort geht es auch darum, welche Aufgabe das Essen bei dir übernommen hat. Den Tag wählst du selbst. Hier kannst du dich kostenlos anmelden.
Statt Schokolade plötzlich das Handy: Suchtverlagerung
Wenn das Süße weniger wird, schleicht sich oft etwas anderes ein. Das ist normal und erst mal sogar ein gutes Zeichen.
Im Live-Call kam dazu mal eine Frage. Eine Teilnehmerin hatte gemerkt, dass sie kaum noch mit Essen auf Gefühle reagiert, dafür aber mit anderen Dingen. Bei der einen ist es dann das Handy, bei der anderen das Onlineshopping. Manche putzen plötzlich ständig oder arbeiten noch mehr.
Das passiert, weil das Bedürfnis dahinter ja noch da ist. Dein Kopf sucht sich nur einen neuen Weg, um runterzukommen. Nicht jedes Ersatzverhalten muss deshalb sofort weg. Drei Fragen helfen dir zu sortieren:
- Geht es mir danach wirklich besser oder nur währenddessen?
- Schäme ich mich hinterher dafür?
- Kann ich aufhören, wenn ich möchte, oder zieht es mich immer weiter rein?
Fühlst du dich danach besser, hast du etwas gefunden, das dich wirklich auffängt. Fühlst du dich danach leerer, hast du das Gefühl nur wieder zugedeckt.
Was du beim nächsten Griff zur Schublade anders machen kannst
Stell dir beim nächsten Mal eine einzige Frage: Wird gerade wirklich etwas besser, wenn ich das jetzt esse? Mehr braucht es dafür nicht.
Manchmal ist die Antwort ja. Du hast einfach Lust auf dieses Stück Schokolade und es würde dir guttun. Dann setz dich hin, iss es mit Genuss und schmeck es wirklich. Süßes ist bei mir nicht verboten und daran ändert auch diese Frage nichts.
Manchmal merkst du aber, dass du eigentlich gerade etwas wegdrücken willst. Die Mail von vorhin oder die Müdigkeit vom Nachmittag. Dann weißt du jetzt zumindest, worum es gerade geht. Allein das verändert schon etwas, weil du nicht mehr im Autopiloten bist.
Und wenn du trotzdem mehr isst, als du wolltest? Dann frag dich hinterher nicht „Warum bin ich so schwach?“, sondern lieber „Spannend – woran lag’s?“. Gerade wenn die Lust auf Süßes vor allem an müden Tagen kommt, findest du in meinem Artikel Heißhunger auf Süßes stoppen mehr dazu.
Welche Süßigkeiten du beim Abnehmen essen darfst, erkläre ich dir übrigens auch in einem eigenen Video: Diese Süßigkeiten darfst du beim Abnehmen essen
Häufige Fragen
Was kann ich gegen Süßigkeiten-Sucht tun?
Am meisten hilft es, Süßes nicht mehr zu verbieten und kurz hinzuschauen, was du gerade wirklich brauchst. Je verbotener Süßigkeiten sind, desto stärker ziehen sie dich an. Wenn du verstehst, welche Aufgabe Süßes bei dir übernimmt, wird das Ziehen nach und nach leiser.
Was ist die Ursache für eine Sucht nach Süßem?
Meistens stecken zwei Dinge dahinter: Süßes ist im Kopf verboten und es hilft dir, mit einem Gefühl klarzukommen. Dazu kommt oft Müdigkeit, weil dein Körper dann schnelle Energie sucht. Mit fehlender Disziplin hat das nichts zu tun.
Wie lange dauert ein Zuckerentzug?
Ich arbeite mit meinen Kundinnen ohne Zuckerentzug, weil ein striktes Verbot das Ziehen meistens stärker macht. Viele haben das schon probiert und landen danach wieder bei der Schokolade. Wenn du bei dir körperliche Beschwerden bemerkst, sprich bitte mit deiner Ärztin darüber.
Was ist Suchtverlagerung beim Essen?
Suchtverlagerung heißt, dass statt dem Essen plötzlich etwas anderes einspringt, zum Beispiel das Handy, Shoppen oder Putzen. Das ist ein normaler Schritt, weil das Bedürfnis dahinter noch da ist. Frag dich, ob es dir danach wirklich besser geht oder ob du dich nur ablenkst.
Wie kann ich die Lust auf Süßes bekämpfen?
Ich würde sie gar nicht bekämpfen, weil Kampf sie meistens lauter macht. Erlaub dir Süßes bewusst und iss es mit Genuss, wenn du Lust darauf hast. Wenn du gleichzeitig herausfindest, wofür du es eigentlich brauchst, verliert es nach und nach seinen Reiz.
Mein Fazit
Du bist nicht süchtig und du bist auch nicht zu schwach. Süßes hat bei dir wahrscheinlich eine Aufgabe übernommen, die ihm nie gehört hat. Sobald du weißt, welche das ist, musst du nicht mehr dagegen ankämpfen.
Achte doch mal diese Woche darauf, in welchen Momenten es dich am stärksten zum Süßen zieht. Ist es im Büro, nach dem Mittagessen oder dann, wenn endlich Ruhe ist? Ich bin gespannt, was du bei dir entdeckst.
Kostenlose Masterclass „Frei von emotionalem Essen“
Rund 90 Minuten lang geht es darum, warum du isst, obwohl du satt bist. Du verstehst danach auch, warum Verbote das Ziehen nach Süßem nur lauter machen. Du bekommst ganz konkrete Schritte für deinen Alltag mit, so dass der Drang nach und nach leiser wird und du nicht mehr gegen jede Schublade ankämpfen musst. Den Termin suchst du dir selbst aus.
